Grün oder zynisch: Strom aus Afrika?
So recht wollten wir Augen und Ohren nicht trauen, als wir die Animations-Videos dieser gewaltigen Solarkraftwerke in nordafrikanischen Wüsten auf dem Fernsehbildschirm sahen und die begeisterten Kommentare dazu hörten: endlich ein pur grünes Projekt der Stromriesen, die sich bisher vor allem um Atom und Kohle balgten.
Endlich die Bereitschaft, 400 Milliarden zu investieren für sauberen Strom, der dazu noch billiger sein werde. Die technischen Probleme seien gelöst, hieß es, sogar die Leitungen nach Europa stellten kein Problem dar. Am 13. Juli bereits wollen sich unter anderem Siemens, E.ON, RWE, Schott Solar, die Deutsche Bank, weitere deutsche, italienische und spanische Unternehmen, ein Staatsminister im Auswärtigen Amt und ein Vertreter der Arabischen Liga zu einem Gründungstreffen zusammenfinden Sogar der Club of Rome ist eingeladen.
Unisono also Beifall für die wagemutigen Investoren – auch aus der Politik. Die Sonneneinstrahlung auf einem kleinen Fleck der Sahara-Wüste reiche völlig aus, um den Strombedarf der ganzen Erde zu decken, erläuterte stolz ein Sprecher des Versicherungs-Konzerns Münchner Rück, ein Hauptinitiator des Projekts.
Weil diese strombedürftige Erde aber gleich hinter der geplanten Kraftwerklinie beginnt, kam uns doch spontan in den Sinn: was mögen wohl die fast eine Milliarde übrigen Bewohner des Kontinents südlich der Sahara denken, wenn sie von diesem grandiosen Projekt hören? Sie, die entweder gar keinen Strom haben oder wie in den meisten afrikanischen Regionen und Großstädten unter den fast täglichen, oft stundenlangen Zusammenbrüchen der heillos maroden Stromnetze leiden. Sie, die alle Monate in langen Schlangen vor den Büros der Elektrizitätsgesellschaften anstehen, um mit Geld, das sie oft nicht einmal zum Essen haben, ihre Stromrechnungen zu bezahlen, weil man ihnen sonst am übernächsten Tag den Zähler abmontiert und obendrein noch eine saftige Verzugsstrafe aufbrummt? Werden sie wohl stolz darauf sein, dass ihre afrikanische Sonne, die ihnen selbst eher Schweiß und Dürre beschert, nun wenigstens den frierenden und mit Industrie überfrachteten Europäern zu neuer Energie verhilft? Oder werden sie davon träumen, sich wie die Bewohner im Nigerdelta dann künftig einfach ein bisschen abzuzapfen von dieser Energie? Und sei es mit Gewalt. Einzig um den politischen Frieden in den Gastländern ihrer Kraftwerkriesen sorgen sich denn auch die Investoren ein wenig.
Wird Afrika bloß still und friedlich neidisch sein auf diesen Energie-Tsunami, der dann gen Norden strömt – oder werden seine Bewohner vielleicht doch beklagen, nun hole sich der reiche Teil der Welt nicht nur die Energie unter der Erde, sondern auch die aus dem wolkenlosen Himmel über dem Kontinent – und ließe sie mal wieder – diesmal eben in der Sonne stehen.
Vielleicht wird sich ja unter den zum Gründungstreffen geladenen Gästen vom Club of Rome ein Spielverderber finden, der ein Wörtchen dazu anmerkt. Denn so mit dem Rücken nach Afrika konzipiert wird dies Jahrtausendprojekt im Verhältnis Afrikas zu den Industrienationen alles andere produzieren als eitel Sonnenschein.











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