Warum wählt Mandela heute Jacob Zuma?
Südafrika wählt heute sein neues Parlament. Gefeiert wurde schon vor ein paar Tagen: vor allem Jacob Zuma, den der nach aller Wahrscheinlichkeit sichere Wahlgewinner, der Afrikanische National-Kongress ANC, ebenso sicher zum nächsten Präsidenten wählen wird. Nelson Mandela feierte mit und steht hinter Jacob Zuma. Warum?
Jacob Zuma, der „Mann des Volkes“, ist auch einer der umstrittensten Männer der bedeutendsten politischen und wirtschaftlichen Macht Afrikas. Seine jahrelangen Justizquerelen um eine Korruptionsaffäre haben weltweit Schlagzeilen gemacht. In einem Vergewaltigungsprozess wurde er frei gesprochen, ließ aber gleichwohl einen Kopf schüttelnden Richter zurück: Ja, er habe mit der HIV-positiven Frau ungeschützten Verkehr gehabt, aber schließlich habe er sofort danach geduscht. Das Land, das er künftig regieren wird, hat immerhin die höchste Aids-Rate Afrikas. Auch der Korruptionsprozess in dem sein Freund, der Geschäftsmann Shabir Shaik zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war und in dem der damalige Richter beiden ein zutiefst korrumpiertes Verhältnis bescheinigte, ist rechtzeitig zur Wahl beendet worden: aus formalen Gründen, nicht durch Freispruch in einem ordentlichen Verfahren.
In der Korruptions-Affäre hat Zuma den früheren Präsidenten Mbeki, dessen Vize er war, immer des politischen Komplotts und der Einflussnahme auf die Justiz beschuldigt. Nach der ersten Anklage hatte ihn Mbeki als Vizepräsident entlassen. Zuma revanchierte sich dafür im vergangenen Jahr mit einer spektakulären Amtsenthebung Mbekis durch die eigene Partei. Stehvermögen hat Zuma in acht Jahren seiner Querelen mit der Justiz und Mbeki zur Genüge bewiesen, in politischen Sachfragen hat er sich bis heute dagegen weniger profiliert. Nach Art vieler afrikanischer Politiker pflegt er vor Publikum immer gerade das zu sagen, was jeweils gern gehört wird. Zuletzt hat er noch vor Tagen versichert, Südafrika werde unter ihm „kein neues Zimbabwe“ und der ANC werde im Fall des erwarteten Wahlsiegs seine Macht nicht missbrauchen.
Die beiden südafrikanischen Nobelpreisträger, Bischof Desmond Tutu und der in aller Welt geachtete, ja verehrte Held des Apartheid-Kampfes und erste Präsident des demokratischen Südafrika, Nelson Mandela, sind unterschiedlicher Meinung über JZ, wie ihn seine Anhänger nennen. Während Bischof Tutu ihn sich nicht als gleichgewichtigen Amtskollegen des neuen amerikanischen Präsidenten Obama vorstellen mag, hat Mandela Zuma durch seine demonstrative Anwesenheit und eine Grußbotschaft auf der letzten Wahlveranstaltung des ANC gezeigt, dass er voll hinter dem alten Kampfgefährten aus Apartheid-Zeiten steht. Warum? Wahrscheinlich deshalb, weil der „Zoulou-Boy“, dem die wirtschaftliche und intellektuelle Elite Südafrikas eher misstrauen, der „Mann des Volkes“, der einstige Ziegenhirt, der im Selbststudium lesen gelernt hat, die Sprache dieses Volkes spricht und dessen noch immer sehr arme Mehrheit auf seiner Seite hat. Nachdem Mbeki inzwischen mit dem Volkskongress eine eigene, vom ANC abgespaltene Partei gegründet hat, scheinen ein Wahlsieg des alten ANC und damit die Wahl Zumas zum südafrikanischen Präsidenten dem Land vielleicht noch keine blühende Zukunft zu garantieren, aber doch wohl wenigstens selbst zerstörerische politische Zerreißproben zu ersparen. Das will schon viel heißen im sonst allerorten instabilen Afrika.








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