Im Visier der Sargträger: Trauergäste leben gefährlich in Afrika
Die schönsten Bräuche sind vor fiesem Missbrauch nicht gefeit: Im Chicago der 20er Jahre sollen bestellte Mörder aus überdimensionalen Geburtstagstorten aufgetaucht sein, um den Paten just an seinem Ehrentag aus dem Kreise seiner Freunde ins Jenseits zu befördern.
Im immer noch nicht ganz modernen Afrika unserer Tage sind die Einfälle rachsüchtiger Meuchelmörder nicht minder raffiniert. Sie machen sich zum Beispiel einen alten Volksglauben zu Nutze. Danach soll auf dem Weg zum Grabe das plötzliche Ausscheren eines Sarges in Richtung eines der Anwesenden diesen als Schuldigen am Tode des dahin Geschiedenen bezeichnen. Was dann oft zu spontaner Lynchjustiz der aufgebrachten Trauergäste führte.
Auf diese Weise sollen Sargträger im afrikanischen Staat Elfenbeinküste in letzter Zeit mehrfach persönliche Rachefehden ausgetragen haben – mit tödlichen Folgen für mindestens vier Opfer solch willkürlicher Denunziation mit dem Sarg.
Grund genug für die Behörden, dem schönen Brauch ein Ende zu setzen. Künftig dürfen – zumindest auf dem Lande – Särge nur noch auf Karren zum Friedhof befördert werden. Ob das Trageverbot auch für militärische Beerdigungs-Zeremonien gilt, wo das Ganze ja leicht in eine allgemeine Schiesserei ausarten könnte, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, wie eine Manipulation beim Sarg-Transport auf Karren zuverlässig ausgeschlossen werden kann.Â
Autor: Hans-Georg Toeche-Mittler Nachrichten-Feed abonnieren









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